Lisboa Menina e Moça

Lissabon nach Jahren wiederzusehen ist Freude und Schock zugleich. 20190328_143329Lisboa Menina e Moça – wie Carlos do Carmo seine Stadt besang –       Lissabon, das junge Mädchen.  Und die uralte Weise.

Freude ist der Anblick zahlreicher Baugerüste um fast verfallene Häuser in der Innenstadt, besonders in der Alfama, und die Aussicht, dass diese Häuser saniert werden mögen.      20190330_143905  Dieses hoffentlich auch.

Freude bereiten die zahlreichen aktiven Menschen, die mit Musik, Tanz, Pantomime oder sonstigen Darbietungen die Zuschauenden unterhalten, bisweilen belustigen, ihnen sinngemäß zurufen: „Verweile doch, ich bin so schön!“

 Töpfer und Fotokünstler nutzen die Gassen als Ausstellungsraum, die Jugend brettert mit Skateboards über historisches Pflaster,     eine Frau unschätzbaren Alters bietet ihre Schätze gegen eine Spende dar: ei20190328_142932nen gehäkelten Taschentuchbehälter, eine Schallplatte, Deckchen. Ich nehme ein Foto der in jungen Jahren verstorbenen Geschwister Francisco und Jacinta Marto aus dem Pfarrsprengel Fátima (der Wallfahrtsort ist eine Geschichte für sich) mit, die Alte bedankt sich mit Luft-Beijinhos und ruft mir Segenswünsche nach.

Wie sich aber ganze Straßenzüge am Hauptplatz Rossio und in dessen Nähe dadurch verändern, dass Investoren sie aufgekauft, Geschäfte und Cafés – darunter die 20190328_153243Pastelaria Suiça“ von 1922 – geschlossen haben und daraus teuren Wohnraum – der dann hoffentlich auch bewohnt wird! – und Hotels erschaffen, finde ich schockierend. Einzelne kleine Krauter werden finanziell unterstützt und dürfen – wohl überwiegend als Touristenattraktion – ihre Seife    oder ihren Stockfisch feilbieten. Die kleinen Lädchen in Familienbesitz scheint es kaum noch oder gar nicht mehr zu geben. Alles ist im Fluss, manches geht den Bach runter. Mal schauen, wieviel Segen und wieviel Ungewitter es bringt.

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An dieser Stelle danke ich sehr herzlich Reisebuchautorin Claudia Rutschmann für den sehr informativen, individuellen Stadtspaziergang mit den vielen Geschichten und Geschichtchen! http://www.lissabonentdecken.com/claudiarutschmann/

(Veröffentlichung des Fotos mit freundlicher Genehmigung der Reisebuchautorin.)

In der Alfama fallen mir Körbchen und Döschen, teilweise an Schnüren zu einem der oberen Stockwerke, auf, in die die vorbeischlendernden Touristen eine Spende fürs Schauen und Fotografieren einlegen können.       20190330_122809 Oder, wie hier, verbunden mit der Erlaubnis zum Katzenstreicheln. Warum nicht – wer’s mag.

Lisboa Menina e Moça. Du bist alt geworden. Du bist jung geworden. Was soll ich dir wünschen? Dass du bei aller Kosmetik das Gesicht wahrst.     20190328_164931    Zu deinem eigenen Wohl: Saúde.